Vorzeitige Ejakulation: Alle Informationen zum verfrühten Samenerguss

Was ist vorzeitige Ejakulation?

Vorzeitige Ejakulation ist eine Form der männlichen sexuellen Dysfunktion, durch die ein Mann nicht dazu in der Lage ist, seine Ejakulation zu kontrollieren. Der Geschlechtsverkehr kann dadurch nicht zur Befriedigung beider Partner führen. Typischerweise bedeutet dies, dass der männliche Partner kurz nach der Penetration ejakuliert. In schweren Fällen kann die Ejakulation sogar vor der Penetration erfolgen.

Während der genaue Zeitpunkt, zu dem die Ejakulation des Mannes als vorzeitig angesehen werden kann, nicht genau definiert ist, deutet eine Zeitspanne von weniger als zwei Minuten, zwischen Penetration und Ejakulation, in der Regel auf eine vorzeitige Ejakulation hin.

Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass es beträchtliche Unterschiede zwischen den Ejakulationszeiten von Männern, die sich nicht als vorzeitig ejakulierend betrachten, und jenen, die es tun, gibt. Einige Männer, die sehr schnell ejakulieren, empfinden ihre Ejakulation nicht als vorzeitig, während andere über mangelnde Ejakulationskontrolle klagen, obwohl sie relativ lange brauchen, um zum Orgasmus zu gelangen.

Dies deutet darauf hin, dass neben der Ejakulationszeit auch andere Faktoren eine Rolle bei der Erfahrung von vorzeitiger Ejakulation spielen. Daher verschreiben Ärzte bei der Diagnose einer vorzeitigen Ejakulation nicht nur Dapoxetine, sondern beachten auch die Schwere der psychischen Komplikationen.

Unabhängig davon, wie lange ein Mann für die Ejakulation braucht, werden die meisten Ärzte eine vorzeitige Ejakulation nur dann als verfrüht betrachten, wenn die Ejakulationszeit für die Person zwischenmenschliche Schwierigkeiten oder sexuelle Funktionsstörungen in der Beziehung verursacht.

Verschiedene Arten der vorzeitigen Ejakulation

Vorzeitige Ejakulation kann entweder als lebenslang (auch als primäre Ejakulation bezeichnet) oder als erworben (auch als sekundäre Ejakulation bezeichnet) klassifiziert werden. Von einer primären vorzeitigen Ejakulation spricht man dann, wenn sie bei der ersten sexuellen Begegnung aufgetreten ist und seitdem angehalten hat. Die sekundäre vorzeitige Ejakulation tritt nach einer Periode normaler sexueller Funktion auf, in der der Mann in der Lage war, seine Ejakulationsfunktion angemessen zu kontrollieren.

Glückliches Paar, nach der Behandlung des frühzeitigen Samenergusses. 

Wie viele Männer leiden an vorzeitigem Samenerguss?

Die vorzeitige Ejakulation ist die häufigste sexuelle Funktionsstörung des Mannes. Allerdings variieren Schätzungen über die Häufigkeit, da oft unterschiedliche Definitionen der vorzeitigen Ejakulation verwendet werden.

Die Häufigkeit der lebenslangen und erworbenen vorzeitigen Ejakulation, gilt als recht niedrig (2-5%), aber ein viel größerer Anteil der Männer (typischerweise 20-30%) klagt in epidemiologischen Studien über gelegentliche Ejakulationsstörungen. So gaben beispielsweise 23,8% der österreichischen Männer in einer nationalen Umfrage an, dass sie manchmal zu schnell zum Orgasmus kommen.

Eine Studie mit einer repräsentativen Stichprobe der deutschen Bevölkerung berichtete, dass ein viel geringerer Anteil der Männer (12%) irgendwann im letzten Jahr eine vorzeitige Ejakulation erlebte. In dieser Studie wurde auch berichtet, dass der Anteil der Männer, die in den vergangenen sechs Monaten eine vorzeitige Ejakulation erlebt hatten, auf 2,7% gesunken ist. Dies könnte allerdings auch mit der erhöhten Nachfrage nach Kamagra und anderen Potenzmitteln, zusammenhängen.

Es deutet also vieles darauf hin, dass die Erkrankung häufig kommt und geht, aber einen großen Teil der Männer irgendwann in ihrem Leben treffen kann.

Ist vorzeitige Ejakulation vererbbar?

Man geht heute davon aus, dass die lebenslange vorzeitige Ejakulation eine vererbbare neurologische Erkrankung ist. Personen mit Verwandten ersten Grades, die unter vorzeitiger Ejakulation leiden, sind für diese Erkrankung prädisponiert.

Erworbene vorzeitige Ejakulation ist mit gleichzeitig auftretenden Erkrankungen wie Urethritis, Prostatitis, Hyperthyreose, erektiler Dysfunktion und Adipositas verbunden. Bei denjenigen, die an diesen Erkrankungen leiden, ist die Wahrscheinlichkeit einer erworbenen vorzeitigen Ejakulation höher als bei denjenigen, die nicht daran leiden. Sie kann auch durch psychologische Faktoren wie Beziehungsprobleme verursacht werden.

Ursachen von vorzeitigem Samenerguss

Die vorzeitige Ejakulation tritt häufig zusammen mit anderen sexuellen Funktionsstörungen wie erektiler Dysfunktion auf. Der Ursprung der vorzeitigen Ejakulation einer Person kann körperlich oder psychisch bedingt sein.

Die Ursachen der vorzeitigen Ejakulation sind oft komplex. Traditionell wurde angenommen, dass die Mehrheit der Fälle von vorzeitiger Ejakulation psychisch bedingt sind. Daher wurde den Betroffenen anfangs oft Sildenafil verschrieben, was allerdings selten die gewünschte Linderung mit sich brachte.

In jüngster Zeit gibt es jedoch immer mehr Belege dafür, dass vererbte neurologische Faktoren häufig für vorzeitiger Ejakulation verantwortlich sind. Selbst in Fällen, in denen die vorzeitige Ejakulation organischen Ursprungs ist, können psychische Faktoren (z.B. mangelndes Selbstwertgefühl, Beziehungsprobleme) eine Verschlechterung des Zustands verursachen.

Eine vorzeitige Ejakulation schadet zwar weder dem Körper noch den Genitalien des Mannes, führt jedoch häufig zu psychischen Problemen, wie Stress in der Beziehung, sexuelle Ängste, mangelnde Zufriedenheit mit dem Sexleben und die Vermeidung sexueller Aktivitäten. Ebenso kann eine vorzeitige Ejakulation zu sexuellen Funktionsstörungen bei der Partnerin des Mannes führen.

Symptome der vorzeitigen Ejakulation

Das primäre Symptom der vorzeitigen Ejakulation ist die Unfähigkeit des Mannes, seine Ejakulationen zu kontrollieren. Dies führt häufig zu sekundären psychologischen Symptomen, darunter mangelndes Selbstwertgefühl, sexuelle Ängste und Beziehungsprobleme.

 

Die klinische Untersuchung der vorzeitigen Ejakulation

Wenn eine vorzeitigen Ejakulation vermutet wird, wird der Arzt wahrscheinlich eine körperliche Untersuchung durchführen, um festzustellen, ob der Betroffene im Allgemeinen gesund ist. Der Arzt wird wahrscheinlich auch die Genitalien des Mannes untersuchen, um festzustellen, ob es Infektionen gibt, die zu Ejakulationsproblemen beitragen könnten.

Wie wird sie diagnostiziert?

In der überwiegenden Mehrheit der Fälle sind keine spezifischen Tests zur Diagnose einer vorzeitigen Ejakulation erforderlich. Die Diagnose wird in der Regel auf der Grundlage der Berichte des Patienten über die Kontrolle der Ejakulation und die daraus resultierende Belastung sowie auf der Grundlage seiner Antworten auf Fragen über seine bisherige Gesundheit und seine sexuellen Erfahrungen, gestellt.

Wie sind die Chancen auf Heilung?

Eine lebenslange vorzeitige Ejakulation ist nicht heilbar, kann aber in 75% der Fälle durch psychische und/oder medikamentöse Behandlung mit Dapoxetine behandelt werden.

Erworbene vorzeitige Ejakulation kann durch Behandlung der zugrunde liegenden Ursachen behandelt werden. Wenn z.B. ein Mann an einer erektilen Dysfunktion leidet und vorzeitig ejakuliert, um seine Unfähigkeit, eine Erektion aufrechtzuerhalten auszugleichen, kann durch die Behandlung der erektilen Dysfunktion auch die vorzeitige Ejakulation behandelt werden.

Arzt berät Mann mit verfrühter Ejakulation

Die Behandlung des vorzeitigen Samenergusses

Die Behandlung der vorzeitigen Ejakulation konzentriert sich darauf, den Mann in die Lage zu versetzen, die Kontrolle über seine Ejakulationen zu entwickeln und somit beiden Partnern ein zufriedenes Sexleben zu ermöglichen. Wo immer möglich, sollte die Behandlung beide Partner einbeziehen.

Wenn eine vorzeitige Ejakulation diagnostiziert wurde, wird der Arzt zunächst die zugrunde liegende Ursache (z.B. erektile Dysfunktion) ermitteln und behandeln. Erst im Anschluss daran, wird er eine Behandlung speziell zur Kontrolle der Ejakulationsfunktion einzuleiten.

In Fällen lebenslanger erektiler Dysfunktion wird die Behandlung wahrscheinlich eine Reihe von Behandlungen umfassen, darunter Psychotherapie, Verhaltenstherapie und die medikamentöse Behandlung mit rezeptfreiem Dapoxetine.

Behandlungen ohne Medikamente

Psychische Probleme verursachen oder verschlimmern viele Fälle von vorzeitiger Ejakulation. Behandlungsmethoden, die darauf abzielen, das Selbstvertrauen des Mannes zu stärken, Ängste abzubauen und Sexualtechniken (insbesondere die Kontrolle der Ejakulation) zu entwickeln, sind daher ein wichtiger Teil der Behandlung des Problems. Zu den nicht-medikamentösen Therapien zählen u. a:

Verhaltenstraining

Seit den 60er Jahren werden Männer, bei der Behandlung der vorzeitigen Ejakulation, darauf trainiert ihren Samenerguss zu kontrollieren (z.B. die Stop-Start-Technik, bei der der Mann seiner Partnerin rät, die sexuelle Stimulation zu beenden, wenn er sich zu stark erregt fühlt, und kurz danach mit der sexuellen Aktivität zu beginnen, wenn der Wunsch nach Ejakulation nachgelassen hat).

Es gibt allerdings keine Hinweise darauf, dass ein solches Training eine vorzeitige Ejakulation heilen kann und einige Paare könnten diese Technik sogar als störend für die sexuelle Aktivität empfinden.

Verminderung der Empfindung im Penis

Kondome können bei der Behandlung der vorzeitigen Ejakulation verwendet werden, da sie den Penis bedecken und seine Empfindlichkeit verringern. Es gibt jedoch keine klinischen Beweise für die Wirksamkeit von Kondomen zur Verzögerung der Ejakulation.

Bestimmte Salben können die Empfindlichkeit des Penis ebenfalls verringern. Diese Cremes müssen weniger als eine halbe Stunde vor dem Geschlechtsverkehr aufgetragen werden. In einigen Fällen können sie als Folge der verminderten Empfindung aber auch eine erektile Dysfunktion verursachen.

Physiotherapie

Krankengymnastik, insbesondere Beckenbodengymnastik, wird in der klinischen Therapie oft eingesetzt. Es fehlt jedoch ein wissenschaftlicher Nachweis über ihre Wirksamkeit zur Verzögerung der Ejakulation.

Psychologische Beratung

Viele Männer mit vorzeitiger Ejakulation haben damit verbundene psychische Probleme (z.B. mangelndes Selbstwertgefühl und sexuelle Ängste), obwohl diese meistens eher durch vorzeitige Ejakulation verursacht werden. Daher sollte die Beratung bzw. die Sexualtherapie in Kombination mit anderen Therapien durchgeführt werden. Ihre alleinige Wirksamkeit ist umstritten.

Behandlung mit Medikamenten

Bei der Behandlung der vorzeitigen Ejakulation wurde eine Reihe von Arzneimitteln eingesetzt, die entweder täglich oder bei Bedarf vor der sexuellen Aktivität verabreicht werden. Zu den verfügbaren Medikamenten gehören:

Trizyklische Antidepressiva

Das Antidepressivum Clomipramin (z.B. Anafranil, Placil) hat sich bei der Verzögerung der Ejakulation als wirksam erwiesen, obwohl seine Nebenwirkungen wiederum die sexuelle Funktion hemmen können. Eine Studie ergab, dass die Behandlung mit Clomipramin zu einer erhöhten sexuellen Befriedigung beider Partner führte, aber zu den Nebenwirkungen gehörten Schwindel, Übelkeit, Verstopfung und Hitzewallungen. Dieses Medikament kann entweder täglich oder kurz vor der sexuellen Aktivität verabreicht werden.

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs)

SSRIs, einschließlich Paroxetin, Fluoxetin und Sertralin können die Ejakulation verzögern. Das langsame Einsetzen ihrer Wirkung bedeutet jedoch auch, dass eine tägliche Anwendung notwendig ist. Darüber hinaus können SSRIs die Libido reduzieren und den Orgasmus hemmen.

Eine Ausnahme stellt hierbei Dapoxetine dar, da es auch spontan eingenommen werden kann und dafür bekannt ist, den Samenerguss um das 3-4 fache hinauszuzögern.

Inhibitoren der Phosphodiesterase (PDE-5-Hemmer)

PDE-5-Hemmer wie Tadalafil, Vardenafil oder Kamagra bzw. Sildenafil werden eigentlich zur Behandlung der erektilen Dysfunktion eingesetzt. Obwohl sie bei Männern mit vorzeitiger Ejakulation mit einer stärkeren Wahrnehmung der Ejakulationskontrolle in Verbindung gebracht wurden, gibt es keine Hinweise darauf, dass sie die Zeit bis zur Ejakulation signifikant verlängern.

Unser Fazit zur vorzeitigen Ejakulation

Männer mit vorzeitiger Ejakulation empfinden ihre intravaginale Ejakulationslatenzzeit als kurz und ihr Sexualleben leidet darunter. Die Störung ist sehr oft psychisch bedingt und daher ist eine langfristige psychologische Behandlung in den meisten Fällen angebracht. Zur kurzfristigen Behandlung der Symptome hat sich Dapoxetine rezeptfrei wiederum als das sicherste und zuverlässigste Mittel etabliert.

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